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Fachabteilung für Psychosomatik/Psychotherapie - 34537 Bad Wildungen
      
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Psychosomatik heute


Der Begriff „
Psychosomatik “ war ursprünglich enger gefasst, als es heute in der Alltagssprache gemeint ist. Wortwörtlich würde Psychosomatik im ursprünglichen Sinn bedeuten: körperliche Beschwerden bei seelischer (Mit-)Verursachung. In der Alltagssprache hat sich Psychosomatik jedoch als Kurzbezeichnung und Sammelbegriff für ein breiteres Gebiet eingeschlichen, in dem Sinne sind damit auch Neurosenlehre, Persönlichkeitslehre aber auch Psychotherapie schlechthin gemeint. Eine psychosomatische Klinik befast sich z. B. gleichermaßen in der Diagnostik und der Therapie von Neurosen, psychosomatischen Störungen, Persönlichkeitsstörungen, psychoreaktiven Störungen. Zumindest Aspekte von Suchterkrankungen gehören auch dazu. Innerhalb der Rehabilitationsmedizin in der Bundesrepublik Deutschland hat die psychosomatische Rehabilitation einen sehr hohen Stellenwert .  

In der traditionellen Krankheitslehre bzw. im Versorgungssystem psychischer Störungen ist neben der Psychosomatik die andere große Säule die Psychiatrie; dort gibt es heute große Anstrengungen, die Psychotherapie zu intensivieren. Sowohl die medizinisch-wissenschaftliche Krankheitslehre als auch das Versorgungssystem zeigen heute ein differenziertes Bild. Psychotherapeutische Versorgung erfolgt heute durch eine Vielzahl von Berufsgruppen, die angebotene Methodenvielfalt ist auch für den Fachmann nur schwer überschaubar. Art und Organisationsform der entsprechenden Institutionen sind mannigfaltig und individuell. Ein Trend in der jüngsten Entwicklung ist die Differenzierung hin zu Fachpsychotherapien bzw. Fachpsychotherapeuten unterschiedlicher Prägung, d. h. Psychotherapeuten können in einem engeren Gebiet ihres Faches Spezialisten sein. Ebenfalls sind Bestrebungen im Gange, in psychosomatischen Kliniken Schwerpunkte, Spezialgebiete auszuweisen, so z.B. die Traumatherapie. So entstand z. B. auch die Bezeichnung „psychosomatische Berufstherapie“ (Harrach, 1998) in der Klinik am Homberg. 

Ambulante Psychotherapie

Auf der Ebene gesetzlicher Regelungen gab es in den letzten Jahren zwei große Änderungen. In der ärztlichen Weiterbildung wurde der „Facharzt für psychotherapeutische Medizin“ eingeführt, die Bezeichnung ist 2003, unter Einbeziehung der Psychosomatik,  in „Facharzt für psychosomatische Medizin und Psychotherapie“ umgewandelt worden.

Die zweite Neuregelung ist das „Psychotherapeutengesetz“, dies ermöglicht nun neben ärztlichen Psychotherapeuten auch psychologischen Psychotherapeuten und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten die direkte (also ohne zwingend vorgeschaltete ärztliche Überweisung) Beteiligung am ambulanten Versorgungssystem der Krankenkassen. Psychologische Psychotherapeuten und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten erhalten mit dem neuen Gesetz die eigene Approbation. In diesem Versorgungssektor mit Kassenfinanzierung werden drei wissenschaftliche Grundverfahren (in verschiedenen Anwendungsformen) anerkannt bzw. vergütet: Psychoanalyse, Verhaltenstherapie und Gesprächstherapie. Die Genehmigung durch dem Kostenträger läuft über den behandelnden Therapeuten, der nach einigen diagnostischen Vorgesprächen den Antrag bei der zuständigen Krankenkasse stellt.

Methoden der Psychotherapie

In methodischer Hinsicht kann man heute eine vielfältige Entwicklung beobachten. Der Trend geht offensichtlich dahin, dass man von der Anwendung einzelner Methoden immer mehr wegkommt, man entwickelt multimodale, kombinative, störungsspezifische Behandlungsstrategien. Es wird also weniger nach einer „Methode“ vorgegangen, sondern nach Erfordernissen aus der Situation des einzelnen Patienten heraus. Dies beinhaltet für die Psychotherapeuten hohe Ausbildungsanforderungen und die Ausarbeitung der praktischen Anwendungsformen – hier stehen allerdings gesetzliche Regelungen und die Ausbildungssysteme nicht selten im Wege. In der ambulanten Praxis ist dieses integrative Verfahren nur sehr bedingt durchführbar, in der stationären Psychosomatik ist es jedoch gängige Routine.

Klassifikation der Krankheiten in der Psychosomatik

Auch die Betrachtungsweise psychischer und psychosomatischer Störungen befindet sich im Umbruch. Hierzu gehört z.B. die Wandlung der Klassifikationssysteme in der Psychosomatik.

Bis vor kurzem war folgende Einteilung ziemlich allgemein akzeptiert gewesen:

  • Organisch (körperbedingte) begründete Psychosen

  • Endogene Psychosen

  • Abnorme Persönlichkeiten

  • Neurosen

  • Psychogene Reaktionen

  • Psychosomatische Erkrankungen

  • Sucht

  • Hirnorganische Erkrankungen

Letztere Einteilung beinhaltete jeweils eine  Annahme über die Ursachen der Erkrankung. Dies hält man heute für überholt, denn die Konzepte über die Ursachen der Erkrankungen befinden sich ebenfalls im Umbruch. Sehr auffällig ist z.B., dass der altbekannte, auch in der Alltagssprache gebräuchliche Bezeichnung „Neurose“ aus der Fachsprache allmählich verschwindet. Auf breiter Front setzt sich zur Zeit  die ICD-10-GM Version 2004 (International Classification of Diseases) durch, in Deutschland ist dies inzwischen bei den Kostenträgern die offiziell anerkannte bzw. geforderte Einteilung bzw. Benennung der Krankheiten. ICD-10 zentriert ausschließlich auf die Beschreibung der Störungsbilder ohne die  Ursachenzuordnung. Man beschreibt lediglich die Symptome, man kann jedoch mit Zusatzkodierungen weitere Zusammenhänge (z.B. ursächlicher Art) hinzufügen.   Der Grund hierfür liegt in der Tatsache, dass einzelne Symptome oder Syndrome (Symptomkomplexe) durch verschiedene Ursachen bzw. durch ein Ursachenbündel ausgelöst werden können.

Die ICD-10 kategorisiert diese Störungen im Kapitel “Psychische und Verhaltensstörungen“(F00-F99): 

F00-F09            Organische, einschl. symptomatischer psychischer Störungen
F10-F19            Psychische und Verhaltensstörungen durch psychotrope Substanzen
F20-F29            Schizophrenie, schizotype und wahnhafte Störungen
F30-F39            Affektive Störungen
F40-F48            Neurotische, Belastungs- und somatoforme Störungen
F50-F59            Verhaltensauffälligkeiten mit körperlichen Störungen und Faktoren
F60-F69            Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen
F90-F98            Verhaltens- und emotionale Störungen mit Beginn in der Kindheit und
                        Jugend

 

Therapie in der klinischen Psychosomatik

Die Rehabilitationsmedizin ist neben der ambulanten Versorgung und dem Akutkrankenhaus die dritte wichtige Säule in der Medizin, sie ist eine große wissenschaftliche und soziale Errungenschaft, besonders in der Bundesrepublik Deutschland. Sie begreift den Menschen ganzheitlich (körperlich – psychologisch – sozial) und behandelt multiprofessionell abgestimmt. 

Psychische und psychosomatische Störungen können häufig nicht ausreichend im ambulanten Rahmen behandelt werden. Vielleicht findet der Patient keinen geeigneten Therapieplatz, oder die Wartezeiten sind unangemessen lang. Häufig erlauben es die aktuellen Lebensbedingungen nicht, sich gezielt mit der eigenen Lebenssituation auseinander zusetzen. Eine Behandlung im Akutkrankenhaus ist hingegen häufig nicht notwendig und oft auch nicht möglich, in der Regel auch viel zu teurer. 

Nervöse – psychosomatische Störungen haben mit der eigenen Lebensgeschichte und mit der aktuellen Lebenssituation zu tun. Spannungen, Konflikte, Belastungen, Traumatisierungen und psychosoziale Krisen führen zu psychischen Beeinträchtigungen, Krankheiten und nicht zuletzt zu Einschränkungen der beruflichen Belastungsfähigkeit. Diese Umstände reflektieren und dadurch bessere Lösungswege zu finden – das ist der Ansatz unserer therapeutischen Hilfe in der Psychosomatik. 

Die Zeit der stationären Psychotherapie ist ein wichtiges Lebensereignis und kein Zusatzurlaub, keine herkömmliche Kur, wie es manche denken mögen. In den Gesprächen kommen lebenswichtige Themen zur Sprache; es gilt dann, nach dem Aufenthalt die neuen Ziele in die Realität umzusetzen. Der Patient entfaltet mehr Eigenaktivität in der Therapie als in der herkömmlichen Medizin und übernimmt letztendlich mehr Eigenverantwortung in seiner Lebensgestaltung. 

Im Stationsrahmen macht der Patient neue zwischenmenschliche Erfahrungen, um die bisherige Lebenseinstellung und die Selbsteinschätzung korrigieren zu können. Für viele Menschen ist es eine einmalige Chance, sich mit sich selber, mit dem eigenen Lebensstil und mit den Mitmenschen in einem geschützten Rahmen auseinander zusetzen. 

Im vielschichtigen körpertherapeutischen Bereich ist es möglich, die eigene Körperlichkeit bewusster zu erfahren. Hierzu gehört auch nicht zuletzt die psychische Verarbeitung (Coping) und die realistische Einschätzung der Therapiemöglichkeiten bei evtl. vorhandenen körperlichen Erkrankungen, bei altersbedingten Körperveränderungen. Verschiedene Entspannungsverfahren (Autogenes Training, Progressive Muskelrelaxation, Atem-Biofeedback, Meditation) ergänzen die psychotherapeutische Arbeit. Die Ernährungstherapie verhilft dazu, sich ein gesundes Essverhalten anzueignen.  

Die Klinik am Homberg arbeitet mit den Grundorientierungen Tiefenpsychologie und kognitive Verhaltenstherapie. Schwerpunkte haben wir in der Behandlung von Schmerzzuständen, Angststörungen, Depressionen, seelischen Traumatisierungen und berufs- und arbeitsbedingten Gesundheitsstörungen.

Dr. med. A. Harrach
Facharzt für psychotherapeutische Medizin und Psychiatrie
- Psychoanalyse - Psychotherapie -

Animationen animierte Augen

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Aktualisiert: Juli 2010

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