DEPRESSION
Depression ist eine Volkskrankheit, sie rangiert in der Statistik vor dem Herzinfarkt. Von 100 Deutschen erkranken ca. 13 mindestens einmal im Leben an einer Depression. In der Folge einer Depression nehmen sich in Deutschland jährlich 11.000 Menschen das Leben. Wie kaum eine andere Erkrankung gehen Depression en mit hohem Leidensdruck einher, da diese Erkrankung ins Zentrum des Wohlbefindens und der Lebensqualität zielt. Die Symptomatik im Verlauf von
Depression ist vielfältig. Immer gehört dazu Aktivitäts- und
Interessenverlust, negative Gestimmtheit, negatives Lebensgefühl,
Freudlosigkeit, Selbstvorwürfe, Selbstmordgedanken, innere Unruhe, Körperbeschwerden
- besonders den Leib und den Kopf betreffend – und Appetit und
Gewichtsverlust. Was da wirklich erlebt wird vom Kranken, kann man am ehesten
nachfühlen, wenn man den bildhaften Beschreibungen von Patienten genau zuhört.
Da ist die Rede davon, in einem tiefen, schwarzen Loch zu sitzen, in einer
grauen, farblosen Welt zu sein, die alltäglichen Aufgaben wie einen Berg vor
sich liegen zu sehen. Typische Klagen sind: „Ich bin ganz leer im Kopf, kann
nichts mehr denken, habe keine Gedanken, kann nicht mehr weinen, nicht mehr
traurig sein“ - ja, manchmal wird
von einem Gefühl der Gefühllosigkeit bei Depression gesprochen.
Die Ursachen einer Depression sind vielfältigst. Allgemeiner Konsens in der Wissenschaft ist heute ein
multifaktorielles Erklärungsmodell, das sowohl biologische als auch
psychosoziale Faktoren als Ursachen anerkennt. Bei Forschung und Beschreibung
der biologischen Ursachen hilft die Biochemie und Genetik, während die
psychosozialen Faktoren durch tiefenpsychologische oder verhaltenstherapeutische
Erklärungsmodelle beschrieben werden. Die beiden Erklärungsmodelle
unterscheiden sich in ihrer Sprache und vor allem in ihrer Perspektive und
Schwerpunktsetzung. Die noch recht neue und sehr erfolgreiche interpersonelle
Psychotherapie ist ein Verfahren bei der Behandlung von Depression, in dem
sich beide Ansätze überschneiden. Die tiefenpsychologische
Betrachtungsweise untersucht bei Depression das innerpsychische und
interpersonelle Konfliktgeschehen vor dem Hintergrund der Biographie. Die
verhaltenstherapeutische Betrachtungsweise bei Depression betrachtet depressive
Denk- und Verhaltensgewohnheiten vor dem Hintergrund der Lerngeschichte. Bei der interpersonellen Psychotherapie
handelt es sich um ein depression
sspezifisches Kurzzeittherapieverfahren. Dabei
wird davon ausgegangen, dass Depression
en stets im Zusammenhang mit einem
psychosozialen und interpersonellen Kontext gesehen werden müssen, und dass es
gilt, diesen Kontext zu versehen und zu verändern. Aus dem multifaktoriellen Verständnis der Depression folgt eine Kombination von verschiedenen Behandlungselementen. Das sind in erster Linie medikamentöse
und psychotherapeutische Behandlung. Bei der leichten Depression ist in der
Regel eine ausschließlich psychotherapeutische Behandlung möglich, bei der
mittelschweren Depression eine Kombination von Psychotherapie und zusätzlicher
Antidepressiva- Behandlung. Bei der schweren Depression ist eine medikamentöse
Behandlung zunächst unumgänglich und kann im weiteren Verlauf dann mit einer
Psychotherapie kombiniert werden. Bei der psychotherapeutischen Behandlung, ob
verhaltenstherapeutisch oder tiefenpsychologisch, ist in der stationären
Behandlung - und insbesondere in der
Rehabilitationsklinik - eine Kombination von Einzel- und Gruppentherapie
sinnvoll und möglich, und eine Kombination mit kreativtherapeutischen Verfahren
hilfreich. Das Behandlungskonzept für Patienten
mit Depression der Klinik am Homberg lehnen sich an die Leitlinien zur
Psychotherapie der Depression an. Die beiden großen Richtungen der Psychotherapie –
die Verhaltenstherapie und die tiefenpsychologische orientierte Psychotherapie
– sind in der Klinik am Homberg vertreten. Es gibt zwei eher
tiefenpsychologische orientierte Stationen und eine verhaltenstherapeutisch
orientierte Station. Beide nutzen aber auch die Elemente der interpersonellen
Therapie, was gut möglich ist, weil dass das typische Fokussieren auf das
zwischenmenschliche Umfeld beiden Therapierichtungen sowieso nicht fremd ist.
Bei der Zuordnung neuer Patienten zur verhaltenstherapeutischen oder
tiefenpsychologisch orientierten Station ist es möglich Vorerfahrung,
Empfehlungen des einweisenden Arztes und Wünsche des Patienten, sofern sie uns
vorher bekannt werden, zu berücksichtigen. Wer an einer Depression leidet wird sich nun vielleicht fragen, soll ich denn nun in ambulante Psychotherapie oder in stationäre Psychotherapie gehen - in eine psychiatrische Klinik oder in eine Reha-Klinik? Die Antwort ist: Welche Behandlungsformen sinnvoll sind, hängt von der genauen Diagnose ab. Die sollte ein Facharzt stellen. Der erste Weg sollte also zum niedergelassenen Arzt führen - entweder zum Hausarzt oder zum Facharzt. Der wird zwischen leichter, mittelschwerer und schwerer depressiven Episode unterschieden. Die Kriterien dafür sind Art, Zahl und Dauer der Symptome. Als grobe Faustregel kann gelten, die leichte depressive Episode wird mit Psychotherapie behandelt, die mittelschwere mit Gabe von Antidepressiva und Psychotherapie und die schwere depressive Episode vor allem mit Antidepressiva und eventuell zu einem späteren Zeitpunkt auch psychotherapeutisch. Neben der Weichenstellung für die
richtige Therapie bei Depression wird in der ambulanten Praxis auch eine für
den an einer Depression Erkrankten höchst wichtige Entscheidung bezüglich der
Arbeitsfähigkeit getroffen. Die Entlastung von der Pflicht zur Arbeit kann für
den Depressiven unendlich erleichternd sein und einen ersten Schritt zur
Gesundung bedeuten. Unter Umständen genügt die Krankschreibung aber nicht und
eine weitere Entpflichtung auch von den täglichen häuslichen Aufgaben ist erst
durch eine Überweisung in eine Klinik nötig. Ein weiterer Grund für eine
Klinikseinweisung wäre akute Suizidalität. Viele an Depression Erkrankte kennen
Suizidideen und Impulse. Das sollte der Arzt unbedingt wissen. Der Arzt wird
auch von sich aus auf eventuell noch vorbewusste destruktive Impulse achten und
das Thema Suizid und Depression ansprechen. Eine eventuell wochenlange
Krankschreibung und eine sich andeutende Gefährdung der Leistungsfähigkeit
machen weitere Maßnahmen notwendig. Hier ist die Aufgabe der
Rehabilitationsklinik und die Leistungspflicht des Rentenversicherungsträgers.
Der Erhalt oder die Wiederherstellung der Leistungsfähigkeit im Beruf ist
Aufgabe der Rehabilitationsklinik. Der ambulant behandelnde Arzt wird dem
Depressiven ggf. raten, einen Antrag bei seinem Rentenversicherer auf Gewährung
eines Heilverfahrens zu stellen. Der an einer Depression Erkrankte selbst kann
aber von sich aus die Initiative ergreifen. Dabei wird auch eine Rolle spielen,
ob am Heimatort, wann und nach welcher Wartefrist eine ambulante Psychotherapie
möglich ist. Kein Depressiver sollte seine Krankheit einfach hinnehmen und erdulden, denn Depression ist Krankheit und behandelbar. Kein Angehöriger von Depressiven sollte die Krankheit unterschätzen, die Depression ist eine schwere oft lebensbedrohliche Erkrankung. Hier sollte die Gefahr der Suizidversuche und der Suizide gesehen werden. Fast alle Patienten mit schweren Depression en haben zumindest Suizidgedanken. Bis zu 15 % solcher Patienten mit schweren depressiven Störungen versterben durch Suizid. Fast alle Menschen, die sich das Leben genommen haben, haben vorher darüber gesprochen. Hier darf nichts als Drohung abgetan werden. Wer sich mit solchen Gedanken herumschlägt oder depressive Angehörige hat, sollte den Rat eines Facharztes suchen. Wir freuen uns, wenn wir Ihnen helfen können. Ihr H. Luchmann
Zur Klärung weiterer medizinischer Fragen und Behandlungs- bzw. Therapiemöglichkeiten steht Ihnen unsere Chefärztin im persönlichen Gespräch gerne zur Verfügung. Bitte vereinbaren Sie zuvor einen Termin in unserer Privatambulanz.
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