Burn out
Burn
out – die emotionale Erschöpfung
Diese komplexe Betrachtungsweise liegt nicht im „Geist“
der aktuellen und für die offizielle Medizin verbindliche Diagnostik (ICD 10),
weil diese Diagnostik ausschließlich auf die Symptomatik, auf den Zustand
selbst zentriert ist und nicht auf Entstehungsbedingungen. Im Kern kann der
Zustand natürlich auch im Zuge anderen Belastungen als Erschöpfungssyndrom
entstehen, z. B. in der Pflege schwerkranker Angehöriger oder in langdauernden
Familienkonflikten. Die Bezeichnung burn out wird jedoch konventionell im
beruflichen Zusammenhang gebraucht. Viele Untersuchungen belegen, dass das
burn out als „Syndrom“ zu bezeichnen ist, d. h. ein kompliziertes Gebilde,
ein Gesamtzustand aus psychischen Symptomen, aus psychosomatischen Beschwerden,
aus Verhaltensschwierigen bzw. Auffälligkeiten, und nicht zuletzt aus Auffälligkeiten
im beruflichen Leistungsbereich. Es ein quälender Gesamtzustand, der sich
schleichend entwickelt, in Regel über Jahre hinweg und endet in einem
Gesamtzustand von Krankheitswert. Den eigentlichen Ausgangspunkt in dieser
Entwicklung bildet ein hohes Engagement im Beruf, die Verleugnung eigener Bedürfnisse
zu Gunsten des Berufes, die Vernachlässigung des Privatlebens, ein ständiges
Leben unter Zeitdruck und Berufsstress. Bald kommen jedoch die ersten Zeichen
von Erschöpfung, Energiemangel, Konzentrationsstörungen, Unausgeschlafenheit
dazu. So ist der berufliche Erfolg bald gefährdet, die Person versucht nun
wieder „nachzulegen“. So entsteht schnell ein Teufelskreis im beruflichen
Engagement an der Grenze der Leistungsfähigkeit. Besonders wichtig sind die begleitenden
Gefühle. Am Anfang steht die weitgehende Zuwendung zur Leistung, z.B. zu den
Klienten, zu den Patienten im Krankenhaus, zu den Schülern in der Schule. Es
ist eine hochgradige emotionale Identifizierung mit den Arbeitsinhalten. Die
Erfolge, die Anerkennung bestätigen auch den Einsatz. Doch gerade an dieser
Stelle setzt die wichtigste Wende im Entstehen des burn out Syndroms ein. Die begleitenden Gefühle sind vielfältig.
Vorrangig ist die depressive Verstimmung, es kommen jedoch Angstgefühle,
Schuldgefühle, Insuffizienzgefühle, Bitterkeit, Pessimismus, Fatalismus,
Apathie und nicht selten Selbstmordgedanken hinzu. Häufig ist die aggressive
Spannung mit Ungeduld und Reizbarkeit. So entstehen oft Konflikte mit Kollegen,
Vorgesetzen und Klienten. Das emotionale Leben verflacht sich, der Mensch zieht
sich aus zwischenmenschlichen Beziehungen zurück, meidet Gespräche, ist
desinteressiert und kann mit sich Selbst wenig anfangen. Die Leistungsfähigkeit lässt immer
mehr nach, die Motivationsleistung ist verringert, die Konzentration lässt
nach, Ungenauigkeit in der Arbeit erschwert die Situation, der Mensch ist
entscheidungsunfähig, zeigt keine Initiative, die Produktivität verringert
sich. Praktisch immer begleiten den Zustand
psychosomatische Erscheinungen wie Schlafstörungen, sexuelle Probleme,
Herzbeschwerden, Magenbeschwerden, Atembeschwerden, Blutdruckschwankungen bzw.
Bluthochdruck, Muskelverspannungen, Schmerzzustände am Bewegungsapparat,
Kopfschmerzen, Schwindelerscheinungen, Veränderte Essgewohnheiten. Am Ende zweifelt der Mensch am Sinn des
Lebens, ist hoffnungslos, ein Gefühl der Sinnlosigkeit und der Verzweifelung
entsteht, nicht selten entstehen Selbstmordgedanken. Der lange Weg von der ursprünglichen
Arbeitseinstellung über die Warnsymptome, über Verstärkung der Symptomatik
und Veränderung der Arbeits- und Leistungseinstellung kann Jahre dauern. Das
soziale Umfeld, die Familie und der Betrieb verstehen in der Regel kaum diese
Wandlung, so entstehen zusätzliche Spannungsmomente. Nicht selten greift der Mensch, der nun
mehr als Patient zu betrachten ist, zu Drogen, vor allem zum Alkohol, zu
Beruhungsmitteln, zu Schlafmitteln und ähnlichem. Dies ist eine weitere
Eskalation der Situation. Ursprünglich war man der Meinung, dass der Zustand hauptsächlich in den Berufen auftritt, in denen der arbeitende Mensch mit hohem gefühlsmäßigen Einsatz tätig sein muss, d. h. die gefühlsmäßige Zuwendung zu den Menschen einen wesentlichen Teil der Tätigkeit ausmacht. Die Annahme der emotionalen Überbeanspruchung ist sicher richtig, die gesellschaftliche Realität und viele Untersuchungen zeigen jedoch, dass der Zustand praktisch in allen Berufen auftreten kann. Burn out entsteht also nicht nur bei Lehrern, Sozialarbeitern, Krankenschwestern, Ärzten, Erziehern usw., sondern auch in technischen Berufen, in der Verwaltung, in Berufen der Informationstechnologie und in Produktionsbetrieben. Nicht zuletzt sind zunehmend leitende Mitarbeiter, insbesondere in der mittleren Leitungsebene betroffen. Betrachtet man dieses Phänomen mit der sogenannten systemischen
Sichtweise, dann kann man feststellen, dass sowohl die individuelle Ebene, aber
auch die betriebliche Ebene und die allgemeine gesellschaftliche Ebene für die
Entwicklung verantwortlich ist. So entsteht ein Konglomerat von
Entstehungsbedingungen in dem der einzelne Mensch den Durchblick verliert, sich
selbst immer mehr in die Situation hinein manövriert bzw. in die Situation mit
hineingezogen wird und am Ende erkrankt. Die Krankheitssymptome weisen darauf
hin, dass beim burn out die seelischen und körperlichen Bewältigungsmechanismen
erschöpft und überwältigt sind. Nicht selten mündet der Zustand in
Arbeitsunfähigkeit. Die Krankschreibung verschafft vorrübergehend
Erleichterung – löst aber oft das eigentliche Problem nicht. Was sind die Probleme? Welche sind die häufigsten
Berufskonflikte? Was macht den
Berufsstress
eigentlich aus? Wann tritt burn out auf? Vielfach nachgewiesen ist, dass vielfältigen
Belastungsfaktoren am Arbeitsplatz ein Krankheitsrisiko zum Entstehen von burn
out darstellen: Überforderung und Unterforderung, Rollenkonflikte im Beruf oder
am Arbeitsplatz, Konflikte mit Kollegen und Vorgesetzten, Störungen des
Arbeitsablaufes, häufige oder nicht gut durchgeführte Umstrukturierungen,
Zeitdruck, Kundenunzufriedenheit, Angst vor Arbeitsplatzverlust, unsichere oder
wechselnde Arbeitszeiten, Schichtarbeit, fehlende Anleitung, Techno – Stress,
ungesunde physikalische Bedingungen (Licht, Temperatur, Lärm, chemische
Belastungen). Nicht selten kommt ein ganzer Bündel von Belastungen zusammen.
Die Arbeitsmedizin nennt diese Faktoren „Gesundheitsgefährdungen“. Arbeitsplatzunabhängige, persönliche
Probleme können Stress zusätzlich bewirken und Auswirkungen auf die Berufstätigkeit
haben: ungünstige Karriere, familiäre, gesundheitliche oder wirtschaftliche
Sorgen, persönliche Unsicherheiten, negative biographische Ereignisse,
Bildungslücken, fehlende Erfahrungen. Sehr häufig wird allgemein das
schlechte Arbeitsklima beklagt: Konkurrenzkampf, schlechte Kommunikation,
aggressives und unkooperatives Verhalten, Mängel der Leitung. Arbeitsklima und
burn out hängen also eng zusammen. Schlechtes Arbeitsklima ist die Brutstätte
für
Mobbing, also das
Rausdrängen einzelner vom Arbeitsplatz. Mobbing ist ein dramatischer,
krankmachender und krimineller Prozess. Und nicht zuletzt:
Langzeitarbeitslosigkeit verändert die Persönlichkeit, macht krank. Berufstherapie in der Klinik am Homberg klärt umfassend diese Fragen, hilft dabei, bessere psychische, körperliche und soziale Bewältigungsmöglichkeiten, bessere Arbeitsbedingungen und bessere Berufsperspektiven zu erarbeiten. Berufstherapie hilft, den Zustand von burn out zu besiegen, aber auch dem vorzubeugen. Ihr Team der Klinik am Homberg
Zur Klärung weiterer medizinischer Fragen und Behandlungs- bzw. Therapiemöglichkeiten steht Ihnen unsere Chefärztin im persönlichen Gespräch gerne zur Verfügung. Bitte vereinbaren Sie zuvor einen Termin in unserer Privatambulanz.
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